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erschienen in holzbaureport, Beilage Informationsdienst 2/2003

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Kellerabdichtung mit kunststoffmodifizierter Bitumendickbeschichtung (KMB)
Teil 1 - Wie wird es richtig gemacht?

Entscheiden sich Bauherren eines Einfamilienhaus für einen Keller, so stellt das immer hohe Anforderungen an die Bauwerksabdichtung. Kellerräume unterscheiden sich heute in ihrer Nutzung kaum oder gar nicht mehr von den anderen Räumen des Hauses. Der Keller soll Platz für Hauswirtschaft und -technik, Arbeit und Hobbys, Fitness oder Sauna bieten. Sie müssen deshalb ein ebenso gesundes und behagliches Klima aufweisen, also entsprechend „staubtrocken“ sein. Feuchtigkeit ist auch im Bezug auf die Schädigung der Bausubstanz in jedem Fall auszuschließen.

Wie ist das Ziel, dem Bauherren dauerhaft „trockene Füße“ zu sichern, zu erreichen?

Architekt und Bauausführung sind maßgeblich an die Bedingungen gebunden, die ihnen das zu bebauende Grundstück vorgibt. Sofern auf der „grünen Wiese“ gebaut wird, ist in der Regel mit schwierigen Bodenverhältnissen und damit mit Wasser zu rechnen. „Trockende“ Baugründe, die nur Abdichtungen gegen Bodenfeuchtigkeit erfordern, sind selten geworden. Einerseits wurden sie schon von den vorgehenden Generationen bebaut. Andererseits nutzt man heute bewußt den technischen Fortschritt in der Bauwerksabdichtung und baut dort, wo früher dem Wasser von vorn herein „aus dem Wege gegangen“ worden ist.

Wenn die Häufigkeit und Intensität einer Diskussion in der jüngsten Vergangenheit um eine Bauweise im direkten Zusammenhang mit der Häufigkeit ihrer Anwendung steht, so spricht das für eine hohe Zahl abgedichteter Keller mit kunststoffmodifizierten Bitumendickbeschichtung (KMB). Die Ergebnisse einer Marktforschung aus dem Jahre 1998 [1] zeigen, daß die Kellerabdichtung im Wohnungsbau zu über 80 % mit KMB ausgeführt wird. Neuere Zahlen liegen leider nicht vor.
Wenn sich auch die Zahlen seit dem verändert haben oder gebietsweise in Deutschland anders sein mögen, so hat sicherlich doch die Akzeptanz von vielen Fachleuten dazu geführt, daß die KMB in die seit August 2000 gültigen DIN 18 195 Bauwerksabdichtung [2] aufgenommen wurde.
Das ist als technischer Fortschritt zu werten. Die neue Norm ist im Gegensatz zur alten vom Dezember 1983 der Praxis in vielen Punkten näher. Damit stellt sie eine bessere Grundlage für die Planung und Ausführung von Abdichtungsarbeiten auch mit KMB dar.
Bis dahin handelte es sich bei Abdichtungen mit KMB um eine nicht genormte Bauweise, die aus vielerlei Gründen gerade im Vorfeld der Veröffentlichung der DIN 18 195 in die Diskussion geraten war.
Auf drei der wichtigsten Fragen in der Diskussion um die Aufnahme der KMB in die DIN 18 195 soll in diesem Beitrag eingegangen werden. Nach Einschätzung des Autors bestimmen die Antworten den heutigen Umgang mit KMB nach DIN 18 195 maßgeblich.

1. Wann darf mit KMB abgedichtet werden?

Für Abdichtungen nach Norm ist dabei entscheidend, welcher Lastfall vorliegt. In der DIN 18 195 sind die Lastfälle neu definiert. Danach werden unterschieden:

Es ist die Aufgabe des Planers bzw. Architekten, festzulegen, gegen welchen Lastfall abgedichtet wird. Um das zu entscheiden, ist i.d.R. ein Bodengutachten notwendig. Aus diesem werden Aussagen zur Durchlässigkeit der Böden und zum Grundwasserspiegel oder z.B. vorhandenen Schichtenwasser hervorgehen.
Handelt es sich um stark durchlässige Böden (k ... Durchlässigkeitsbeiwert, k > 10-4 m/s) wird gegen Bodenfeuchtigkeit abgedichtet (Abb 1, [3]).
Sind wenig durchlässige Böden (k £ 10-4 m/s) also z.B. bindige Böden mit Lehmanteil vorhanden, so gibt es nur zwei Möglichkeiten. Einerseits kann bei zusätzlichem Einbau einer Dränung nach DIN 4095 [4] gegen Bodenfeuchtigkeit bzw. nichtstauendes Sickerwasser abgedichtet werden (Abb 2, [3]). Andererseits ist eine Abdichtung gegen drückendes Wasser bzw. aufstauendes Sickerwasser zwingend notwendig. Im Zweifelsfall ist die Abdichtung nach Teil 6, DIN 18 195 immer vorzusehen. Das geschieht mit KMB nach dem speziell konstruierten Lastfall: aufstauendes Sickerwasser. (Abb 3, [3]). Andere Alternativen läßt die neue Norm im Gegensatz zur Vorgängernorm nicht zu. Das wird noch deutlicher, wenn man sich dem Lastfall nichtdrückendes Wasser zuwendet.
Der Lastfall nichtdrückendes Wasser steht in der neuen DIN 18 195, Teil 5 im Gegensatz zur früheren nur für waagerechte und geneigte Flächen im Erdreich und für Wand und Bodenflächen in Naßräumen. KMB-Abdichtungen sind in der Norm nur für mäßig beanspruchte Bauteile, wie z.B. Balkone und Naßräume im Wohnungsbau möglich. Abdichtungen für hohe Beanspruchungen, z.B. Dachterrassen, Parkdecks, öffentliche Duschen müssen nach DIN 18 195 mit anderen Bauweisen ausgeführt werden.

 
Lastfall: Bodenfeuchte DIN 18195-4
1) siehe DIN 18530-1 Abbildung 1
 
Lastfall: nichtstauendes Sickerwasser 18195-4
1) siehe DIN 18530-1 Abbildung 2
 
Lastfall: aufstauendes Sickerwasser DIN 18915-6 Abschnitt 7.2.2
1) siehe DIN 18530-1
2) langjährig ermittelter höchster Grundwasser-/Hochwasserstand
Abbildung 3

 
Lastfall: drückendes Wasser (Grundwasser) DIN 18195-6 Abschnitt 7.2.1

1) siehe DIN 18530-1
2) langjährig ermittelter höchster Grundwasser-/Hochwasserstand
Abbildung 4

 

Mit der Aufnahme von Bauweisen und Stoffen in eine Norm entsprechen diese nicht automatisch den allgemein anerkannten Regeln der Technik. Jeder einzelne Sachverhalt in der Norm muß sich also erst in der Praxis bewähren. Entweder wird er irgendwann zur allgemein anerkannten Regel der Technik oder er muß verworfen werden. Mit dem Lastfall aufstauendes Sickerwasser im Teil 6 der DIN 18 195 ist der Versuch unternommen worden, Abdichtungen mit KMB bei bindigen, d.h. schwach durchlässigen Böden zu beschreiben, ohne daß eine Dränung ausgeführt wird. Somit kann sich das Wasser auch vor der Abdichtung „aufstauen“. Der höchste Grundwasserstand darf bei diesem Lastfall 300 mm unter Unterkante Kellersohle nicht überschreiten. Ob die einzelnen Punkte der, nach Auffassung des Autors sehr theoretischen Definition in der DIN 18 195 günstig gewählt wurden, muß tatsächlich die Praxis zeigen.
Unstrittig, hingegen ist die Anwendung der KMB für die Lastfälle Bodenfeuchtigkeit bzw. nichtstauendes Sickerwasser und nichtdrückendes Wasser für Bereiche mit mäßiger Beanspruchung.

Außerdem ist die Abdichtung mit KMB auch nach der Richtlinie für Bitumendickbeschichtungen vom November 2001 [3] möglich. Die Ausführungen in der Richtlinie sind ausführlicher als in der DIN 18 195 beschrieben und auch bildlich dargestellt. Jedoch entsprechen nicht alle dort beschriebenen Abdichtungsvarianten der DIN 18 195. So wird beispielsweise auch die Abdichtung bei anstehendem Grundwasser beschrieben (Abb. 4, [3]). Wird solch eine Variante gewählt, ist die Aufklärung der Bauherren noch notwendiger als sonst, um Mißverständnissen und Streitigkeiten von vorn herein auszuschließen.

2. Wie muß mit KMB abgedichtet werden?

Abdichtungen mit KMB werden im wahrsten Sinne des Wortes h a n d w e r k l i c h im Spachtelverfahren ausgeführt. Seltener, wenn auch professioneller, ist der Einsatz des Spritzverfahrens. Dennoch ist bei beiden Verfahren das Erreichen einer ausreichenden Trockenschichtdicke von auschlaggebender Bedeutung.
Während bei Abdichtungen mit Bahnen die Produkten in definierter Schichtdicke an die Baustelle geliefert werden, muß die Herstellung der entsprechenden Schichtdicke mit der KMB erst dort erfolgen. Je nach vorliegendem Lastfall sind unterschiedliche Trockenschichtdicken gefordert. Diese müssen über die Qualitätskontrolle, die in der Norm festgelegt ist, nachvollziehbar sein.

Lastfall Din 18 195: 2000-08 Ausführung der Abdichtung Mindesttrocken-schichtdicke
Bodenfeuchte und nichtstauendes Sickerwasser an Bodenplatten und Wänden DIN 18 195, Teil 4
Abschnitte 7.3.3 und 7.4.2
2 Arbeitsgänge* 3 mm
nichtdrückendes Wasser auf Deckenflächen und in Naßräumen
mäßige Beanspruchung
DIN 18 195, Teil 5
Abschnitt 8.2.8
2 Arbeitsgänge**
Verstärkungseinlage an Kehlen und Kanten
3 mm
aufstauendes Sickerwasser
Gründungstiefe <= 3,0 m
Bemessungswasserstand mind. 300 mm unter UK Kellersohle
DIN 18 195, Teil 6
Abschnitt 9.1
2 Arbeitsgänge**
Verstärkungseinlage
4 mm

* Die Aufträge können frisch in frisch erfolgen.
** Vor dem Auftrag der zweiten Abdichtungsschicht muß die erste Abdichtungsschicht soweit getrocknet sein, daß sie durch den darauffolgenden Auftrag nicht beschädigt wird.

Bei KMB handelt es sich um Produkte auf Basis von Bitumenemulsionen. Das bedeutet, daß die aufgetragene Naßschichtdicke nicht mit der geforderten Trockenschichtdicke gleich zu setzen ist. Bei der Durchtrocknung der KMB wird Wasser an den Untergrund und an die Umgebung abgegeben. Die Dickbeschichtung schrumpft. Jeder Hersteller von KMB ist daher aufgefordert, den Trockenrückstand des jeweils eingesetzten Produktes, der sich zwischen ca. 60 und 90 % bewegen kann, anzugeben. Außerdem sollten nur solche Produkte zum Einsatz kommen, die nach den Anforderungen der DIN 18 195, Teil 2 geprüft sind.

Aber nicht nur der Trockenrückstand ist für die Materialkalkulation von Bedeutung sondern auch die Beschaffenheit des Untergrundes. Diesem ist nun mit dem Teil 3 der DIN 18 195 besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Darin kommt die Einsicht zum Ausdruck, daß viele Mängel nicht nur auf den Einsatz von KMB bezogen, sondern allgemein in der Bauwerksabdichtung auf ungenügende Untergrundvorbereitung zurückzuführen sind.

3. Wer darf KMB-Abdichtungen ausführen?

Die vermeintlich leichte Verarbeitung von KMB darf nicht dazu führen, daß die damit herzustellende Bauwerksabdichtung auf die „leichte Schulter“ genommen wird. Weil es eben so leicht zu verarbeiten ist, führt das
all zu oft dazu, daß unqualifizierte Firmen oder Mitarbeiter eingesetzt werden, mit dem Ziel, dadurch Kosten zusparen. Diese Kosten werden allerdings nur bis zum Eintreten des Schadens gespart! Hier fehlt es den Verantwortlichen immer noch an Bewußtsein, daß für den Erfolg von Abdichtungsarbeiten detailliertes Fachwissen und ausgebildetes Können notwendig sind. Abdichtungsarbeiten werden nicht selten Firmen überlassen, die diese Arbeiten nebenbei "mit machen". In dem Fall fehlt das Verständnis für die Abdichtungstechnik im Allgemeinen und für die Anwendung der KMB im Besonderen. Daher ist es um so wichtiger, daß für die Bauwerksabdichtung mit KMB Fachfirmen mit entsprechend qualifiziertem Personal gebunden werden. Doch welche Firmen sind Fachfirmen?
Abgesehen von Dachdeckerbetrieben, die sich auch auf dem Gebiet der Abdichtung erdberührter Bauteile spezialisiert haben, ist es bekannt, daß der "Dachdecker" sich mit der KMB nicht begeistert anfreundet. Es liegt in der Natur der Sache selbst. Schließlich ist er der Fachmann auf dem Dach und nicht in der Baugrube.
Ganz im Gegensatz zum sogenannten "Bautenschützer". Betriebe des Bautenschutzgewerbes haben sich schon frühzeitig auf neue, nicht genormte Verfahren und Bauweisen eingelassen. Weil sich Abdichtungen mit KMB bei der Bauwerkssanierung bewährt haben, können viele Bautenschutzbetriebe auch auf eine langjähriger Praxis mit KMB zurückblicken. Hinter dem Gewerbe des Bautenschützers steht jedoch kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf.
Den Beruf "Bauwerksabdichter/in" gibt es als industriellen Ausbildungsberuf erst mit Inkrafttreten der Verordnung vom 24. April 1997. Die 3 Lehrjahre dauernde Berufsausbildung zu der selbstverständlich auch die KMB gehört, ist noch weitgehend unbekannt.
Eine einheitliche gute Qualifikation für KMB-Abdichtungen kann zunächst von keinem der 3 genannten Berufe bzw. Gewerbe erwartet werden. Daraus begründete sich auch eine Forderung im Entwurf der Neufassung der DIN 18 195 vom September 1998. In DIN 18 195-3, Abschnitt 5.3 heißt es: "Bei Abdichtungen nach DIN 18 195-6 muß der Ausführende besonders qualifiziert sein." Diese Forderung ist in der Fassung vom August 2000 gestrichen worden. Immerhin sind sich die in der Branche wichtigsten Berufs- und Interessenverbände einig gewesen, daß man ohne eine Qualifizierungsmöglichkeit nicht auskommen wird. Unter der Federführung des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB) ist deshalb der Lehrgang "Herstellen von Abdichtungen aus kunststoffmodifizierten Bitumendickbeschichtungen (KMB)" entstanden [5].
Wer also Bauwerksabdichtung mit KMB betreiben möchte kommt um eine allgemein anerkannte Qualifikation nicht herum. Der Besuch eines bundesweit angebotenen KMB-Lehrganges ist eine gute Gelegenheit, sich entsprechned zu rüsten.

Literatur

[1] Dr.-Ing. Reiner Pohl: So wird abgedichtet, Bautenschutz + Bausanierung, Sonderdruck aus Heft 1/99, Rudolf Müller Verlag
[2] DIN 18 195 Bauwerksabdichtungen, Teil 1 bis Teil 6, August 2000
[3] Richtlinie für die Planung und Ausführung von Abdichtungen mit kunststoffmodifizierten Bitumendickbeschichtungen (KMB) - erdberührte Bauteile-, 2. Ausgabe, Stand: November 2001
[4] DIN 4095 Dränung zum Schutz baulicher Anlagen, Juni 1990
[5] Dipl.-Ing. Thomas Reuthe: Schwarzmachen genügt nicht, Deutsches IngenieurBlatt, Dezember 2002

Im folgenden Beitrag möchte der Autor auf Ausführungsdetails bei der Abdichtung mit KMB eingehen. Lesen Sie weiter in

Teil 2 - Kellerabdichtung: Untergründe und Durchtrocknung

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Dipl.-Ing. Thomas Reuthe
Beratender Ingenieur und Mitglied der Baukammer Berlin
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