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Kellerabdichtung
mit kunststoffmodifizierter Bitumendickbeschichtung (KMB)
Teil 2 - Untergründe und Durchtrocknung
Als Ursachen für Schäden bei der Bauwerksabdichtung mit KMB werden häufig ungenügende Untergrundvorbereitung und eine nicht ausreichende Durchtrocknung festgestellt. Auf diese beiden Details möchte der Autor im folgenden Beitrag besonders eingehen.
Lastfälle und Bauweisen
Die Voraussetzungen
für eine erfolgreiche Bauwerksabdichtung eines Ein- oder Zweifamilienhauses
schafft zunächst der Planer bzw. Architekt mit der Auswahl der Bauweise
des Kellers unter Berücksichtigung des festgestellten Lastfalles nach DIN
18 195 [1]. Ist die Entscheidung für eine Kellerbauweise gefallen, muß
diese in Einklang mit der Bauwerksabdichtung mit KMB gebracht werden. Denn nicht
für jede Bauweise führt die gleiche Vorgehensweise bei der Abdichtung
mit KMB zum Erfolg.
Neben der am häufigsten anzutreffenden Kellerbauweise, für Ein- und
Zweifamilienhäuser, bestehend aus einer Fundamentbodenplatte aus Stahlbeton
und Mauerwerkswänden aus verschiedenen Baustoffen und Formaten, gibt es
eine Vielzahl von anderen Bauweisen. Genannt seien hier nur die Fertigteilbauweise
und Hohlkammermauerwerk, welches anschließend z.B. mit Transportbeton
verfüllt wird. Bei all diesen Bauweisen sind Besonderheiten bei der Bauwerksabdichtung
zu beachten, auf die hier nicht weiter eingegangen werden kann. An dieser Stelle
sei der Hinweis auf Fachplaner erlaubt, die die notwendigen Lösungen für
die Bauwerksabdichtung erarbeiten. Auch Anbieter von Fertigteilkellern oder
Hersteller von KMB liefern gern vorgefertigte Arbeitsvorschläge, die jedoch
eine detaillierte Planung nicht ersetzen. Solche Lösungen können u.a.
besondere Maßnahmen bei der Untergrundvorbereitung und den Einsatz von
Zusatzprodukten für die Abdichtung der Fugen, die sich aus der Bauweise
ergeben, beinhalten.
Untergrund
Eng mit
der ausgewählten Bauweise hängt der Aufwand zur Untergrundvorbereitung
für die Abdichtungsarbeiten zusammen. Immerhin wird mit kunststoffmodifizierter
Bitumendickbeschichtung abgedichtet. Wie der Name schon sagt, handelt es sich
um eine B e s c h i c h t u n g. Das bedeutet, daß alle Randbedingungen,
die jedes Beschichtungsverfahren unabhängig vom Material verlangt, auch
hier eingehalten werden müssen. Denn wenn Untergrund und Beschichtung nicht
harmonisieren, kommt es zu keinem ausreichenden Haftverbund, was insbesondere
bei der Bauwerksabdichtung (und nicht nur mit KMB!) gravierende Folgen hat.
Im Teil 3 der Neufassung der DIN 18 195, ist deshalb auch die Untergrundvorbereitung
ins Zentrum der Betrachtung gerückt. Ganz allgemeingültige Forderungen
sind damit endlich in der Norm festgeschrieben worden. Mauerwerk muß DIN
1053 entsprechen. Das betrifft nicht nur die Säuberung von allen haftungsmindernden
Bestandteilen, sondern auch den Umgang mit Details, wie Ebenheit, Ecken und
Kanten, Grate, Temperatur und Feuchtigkeit.
Stoßfugen bei großformatigem Mauerwerk größer 5 mm müssen
vermörtelt werden. Kehlen sind auszurunden. Die sogenannten Hohlkehlen
können mit geeigneten Mörteln oder, wenn das der Hersteller der KMB
empfiehlt, auch mit KMB hergestellt werden. Ecken und Kanten sind anzufasen.
Das folgende Beispiel soll das Zusammenspiel von Untergrund und Witterung einerseits
und der Beschichtung andererseits verdeutlichten: Insbesondere in den heißen
Sommertagen kommt es bei Betonuntergründen häufig zu Blasenbildung
in der frischen Beschichtung. Dafür sind meist nicht sichtbare, ungeöffnete
Luftporen an der Oberfläche des Betons verantwortlich. Ungeöffnet
deshalb, weil sie an der Oberfläche meistens von Zementleim überdeckt
sind. In diesen Poren dehnt sich die erwärmte Luft aus und „bläst“
(Abb. 01). Sie drückt die Beschichtung vom Untergrund ab. Um das zu verhindern,
ist die Öffnung der Poren vor der Beschichtung notwendig (Abb. 02). Dies
kann durch die Anwendung eines Stahlbesens geschehen oder sogar den Einsatz
von Sandstrahlgeräten notwendig machen. Die geöffneten Poren sind
dann z.B. mit einem geeigneten Mörtel oder nach erfolgten Voranstrich mit
KMB zu verspachteln (Abb. 03). Erst nach deren Durchtrocknung bzw. nach Erreichen
einer genügenden Festigkeit des Mörtels kann die Abdichtung mit KMB
ausgeführt werden (Abb. 04).

Abb. 1: Kappillarpore an der Oberfläche einer Betonkellerwand

Abb. 2: Kappillarpore nach der Untergrundvorbereitung

Abb.
3: Kratz- und Füllspachtelung über einer Kappillarpore

Abb. 4: Abdichtung mit KMB über einer Kappillarpore
Materialauswahl
Bei der Auswahl der KMB sollten folgende Kriterien eine Rolle spielen:
Bauwerksabdichtung
ist trotz aller gegenteiliger Behauptungen immer noch eine Arbeit, die erst
bei „schönem Wetter“ optimal betrieben werden kann. Die Verarbeitung
von KMB ist bei Temperaturen zwischen + 5 °C und + 30 °C möglich.
Das Arbeiten bei Niederschlägen, wie Regen, Schnee, Nebel, Reif, Tau ist
zu vermeiden. Das heißt, je näher man sich auf die Verarbeitungsgrenzen
zu- bewegt, desto mehr Risiken muß man eingehen. Selbst, wenn die Niederschläge
die KMB nicht unmittelbar beeinflussen, kann es doch zur Bildung einer Trennschicht
(Wasser) zwischen Untergrund und Beschichtung kommen. Das ist auch der Fall,
wenn beispielsweise bei + 5 °C Lufttemperatur der zu beschichtende Untergrund
noch gefroren ist. Außerdem ist zu beachten, daß KMB Materialien
sind, die auf Basis von Bitumenemulsionen hergestellt werden. Sie enthalten
also Wasser und sind damit frostempfindlich.
Bei der Verwendung von 1-komponentigen KMB kommt noch die Möglichkeit der
Reemulgierbarkeit im frischen Zustand hinzu. Das bedeutet, daß das Material
bei Wasserzusatz (z.B. Schlagregen) wieder flüssig wird (bräunliche
Farbe!) und vom Untergrund regelrecht „abgespült“ werden kann.
Mit 2-komponentigen KMB ist man witterungsunabhängiger, da sich beim Auftrag
nach ca. 1 Stunde eine regenfeste Haut auf der Beschichtung bildet. Insgesamt
ist die Durchtrockendauer wesentlich kürzer als bei 1-komponentigen Produkten.
Es ist aber bei 2-komponentiger KMB der Aufwand zum Anmischen mit einzukalkulieren.
Außerdem steht das Material dann im angemischten Zustand nur für
eine begrenzte Dauer je nach Luft- und Materialtemperatur von ca. 45 bis 60
min für die Verarbeitung zur Verfügung.
Ausführung
Nach Beendigung der Untergrundvorbereitung wird mit der Beschichtung begonnen. Hierfür stehen zwei Verfahren zur Auswahl:
1. Das Spachtelverfahren
2. Der Einsatz von Airless-Spritztechnik
Die KMB
wird beim Spachtelverfahren mit einer Glättekelle aufgetragen. Dabei ist
es notwendig, daß der Materialbehälter möglichst dicht beim
Verarbeiter in der Baugrube steht. Das erfordert für einen flüssigen
Arbeitsfortschritt neben der Arbeitskraft, die spachtelt, noch eine zweite,
welche das Material gegebenenfalls anmischt und in die Baugrube transportiert.
Aber auch beim Spritzverfahren werden mindestens zwei Arbeitskräfte benötigt.
Die erste, der Maschinenbediener, sorgt für einen möglichst homogenen
Materialfluß. Sie hat die Kontrolle über das Anmischen des Materials
und die Leistung der Maschine. Die zweite Arbeitskraft führt die Spritzpistole
und dichtet im eigentlichen Sinne ab. Derjenige, der über geeignete Spritztechnik
verfügt, was i.d.R. der Profi-Abdichter sein wird, weiß, daß
sich der Einsatz der Technik in jedem Fall für eine Kellerwandfläche
eines durchschnittlichen Einfamilienhauses von ca. 80 m² lohnt. Das Ergebnis
unterscheidet sich qualitativ nicht entscheidend vom Spachtelverfahren. Der
Vorteil liegt eindeutig in der Schnelligkeit und in der Erleichterung der Arbeit.
Arbeitsschritte können jedoch nicht „eingespart“ werden. Für
eine normgerechte Abdichtung müssen folgende Arbeitsschritte ausgeführt
werden:
Der Voranstrich
Der Voranstrich
hat die Funktion, Staub zu binden, um eine optimale Haftung zu erreichen. Für
die Beschichtung ist es jedoch günstig, wenn der Untergrund so saugfähig
wie möglich bleibt. Nur so wird ein großer Teil des Emulsionswassers
durch Untergrund aufgenommen. Aus diesem Grund werden als vorwiegend verdünnte
Bitumenemusionen als Voranstrich verwendet, die aufgetrocknet augenscheinlich
nur bräunlich, lasierend auf dem Untergrund wirken. Im Gegensatz dazu bedeuten
schwarze Untergründe, daß sich schon ein geschlossenen Film aus Bitumen
auf dem Untergrund befindet. Dieser stellt kein saugfähigen Untergrund
dar und behindert maßgeblich den Durchtrockungsprozeß der KMB.
Die Kratz- und Füllspachtelung
Kratz- und Füllspachtelung bedeutet, daß die Glättekelle knirsch über den Untergrund „kratzt“. Damit werden Poren, Lunkern oder ähnliches gefüllt und keine Schichtdicke aufgetragen (Abb. 03). Sie dient zur Schaffung eines porenfreien, ebenen Untergrundes. Sofern Mauerwerk DIN 1053 entspricht, ist davon auszugehen, daß mit der Spachtelung die unvermörtelten Stoßfugen geschlossen werden können.
Abdichtung
Je nach
vorliegenden Lastfall werden Fundament und Wände nach DIN 18 195 abgedichtet.
Dies geschieht in 2 Arbeitsschritten ohne (DIN 18 195 Teil 4) bzw. mit Verstärkungseinlage
(DIN 18 195 Teil 6).
Die Einlage einer Verstärkung ist, wenn auch nicht im Teil 4 der Norm vorgeschrieben,
in jedem Fall immer sinnvoll, da sie sehr gut als Schichtdickenkontrolle dient.
Es werden unterschiedliche Materialien als Verstärkungseinlage je nach
verwendeter KMB eingesetzt. Häufig sind es Glasseidengewebe. Bei der Verwendung
von KMB auf Basis von alkalischen Bitumenemulsionen, was die überweigende
Anzahl der auf dem Markt befindlichen Produkte ausmacht, müssen alkalibeständige
Gewebe verwendet werden. Wenn das Gewebe nicht mehr an der Oberfläche der
Beschichtung zu sehen ist, zeigt das im Regelfall das Erreichen der erforderlichen
Schichtdicke an. Jedoch muß darauf geachtet werden, daß es mittig
eingelegt wird. Denn liegt das Gewebe zu nahe am Untergrund oder zu nahe an
der Oberfläche bzw. steht das Gewebe an Rändern oder Kanten über
die Abdichtung hinaus, besteht die Gefahr, daß Wasser kapillar über
das Gewebe transportiert werden kann!
Kontrolle
Entscheidend für die Qualität der Beschichtung ist die Trockenschichtdicke. Erst nach völliger Durchtrocknung der aufgetragenen KMB stellt sich ihre Funktionstüchtigkeit ein. Weil nach Möglichkeit eine zerstörungsfreie Prüfung an der ausgeführten Abdichtung angestrebt wird, kontrolliert man die Naßschichtdicke beim Auftrag. Über die Kenntnis des Trockenrückstandes kann dann rechnerisch die Trockenschichtdicke ermittelt werden. Die Prüfung der Abdichtungen ist in der DIN 18 195, wie in der folgenden Übersicht dargestellt, vorgeschrieben (s. Abb. 05).
| Schichtdickenkontrolle | Messung
der Schichtdicke |
|
| Durchtrocknungsprüfung | Referenzprobe |
|
| Dokumentation | Pflicht bei Abdichtung nach Teil 5 und 6 | |
| Abbildung 5 |
Als Referenzprobe
eignet sich ein beschichteter Stein oder Ziegel aus denen die Kellerwände
bestehen. Dabei müssen die Bereiche mit der maximalen Schichtdicke am Objekt
berücksichtigt werden. Das sind z.B. Hohlkehlen aus KMB im Anschlußbereich
Wand/ Boden. Die Referenzprobe wird in der Baugrube an der für die Durchtrocknung
ungünstigsten Stelle gelagert. An ihr kann dann zerstörend, also durch
aufschneiden geprüft werden, ob die KMB auch in den Bereichen mit großer
Schichtdicke durchgetrocknet ist. In dieser Bauphase ist der Baufortschritt
entscheidend von der Durchtrocknung der KMB abhängig. Erst wenn die Beschichtung
völlig durchgetrocknet ist, können Schutzschichten aufgebracht und
die Baugrube verfüllt werden. Daher ist es für das abdichtende Unternehmen
gegenüber dem Auftraggeber wichtig, einen Nachweis für die Durchtrocknung
zu erbringen.
Wenn die aufgeschnittene KMB bräunlich gefärbt und deren Struktur
als „torfig“ bezeichnet werden kann, so muß mehr Zeit für
die Durchtrocknung eingeplant werden. Im Gegensatz dazu ist durchgetrocknetes
Material schwarz und gummiartig.
Zusammenfassung
Verschmutzte
und nichttragfähige Untergründe für Abdichtungen mit KMB sind
immer wieder die Ursache von Feuchteschäden in Kellern. Dem muß mit
einer sorgfältigen Untergrundvorbereitung entgegengewirkt werden.
Bei der Ausführung von Abdichtungen mit KMB ist eine ausreichend lange
Durchtrockenzeit einzuplanen. Es besteht sonst die Gefahr, meist bedingt durch
ungünstige Witterung, daß unter Zeitdruck die Baugrube zu früh
verfüllt wird. Ist die KMB nicht völlig durchgetrocknet, so bedeutet
das, die Funktionstüchtigkeit der Abdichtung ist stark beinträchtigt
ist und Schäden sind vorprogrammiert.
Literatur
[1] DIN 18 195 Bauwerksabdichtungen, Teil 1 bis Teil 6, August 2000
Abbildungen
01 bis 04 Thomas Reuthe
05 Nach Handbuch KMB-Lehrgang,
Ausbildungsbeirat beim ZDB
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| Dipl.-Ing. Thomas Reuthe | |
| Beratender Ingenieur und Mitglied der Baukammer Berlin | |
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