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"Schwarzmachen" genügt nicht!
Wer führt Abdichtungen mit kunststoffmodifizierten Bitumendickbeschichtungen (KMB) fachgerecht aus?
Autor Dipl.-Ing. Thomas Reuthe - Beratender Ingenieur auf dem Gebiet der Qualitätsüberwachung und Bauwerksdiagnostik für Abdichtung und Feuchteschutz und u.a. zugelassener Referent für den Lehrgang "Herstellen von Abdichtungen aus kunststoffmodifizierten Bitumendickbeschichtungen (KMB)". Der Autor bezweckt einen bewußteren Umgang aller am Bau Beteiligten mit der Bauwerksabdichtung an sich. Er möchte die Frage beantworten, von wem eine fachgerechte Bauwerksabdichtung mit KMB ausgeführt werden kann und weist in dem Zusammenhang auf eine hervorragende Möglichkeit hin, sich auf dem Gebiet der Anwendung der KMB sachkundig zu machen.
Immer noch ist die im August 2000 erschienene DIN 18195 in der Diskussion. Sowohl in der Literatur als auch auf Fachveranstaltungen erfährt sie häufig viel Kritik und wenig Lob. Allerdings sind auch viele Fachkollegen erleichtert, endlich eine aktuelle Abdichtungsnorm in den Händen zu halten. Im Gegensatz zur alten vom Dezember 1983 ist die neue Norm in vielen Punkten der Praxis näher. Damit stellt sie eine bessere Grundlage für die Planung und Ausführung von Abdichtungsarbeiten dar.
In den Augen des Autors verdient es besondere Anerkennung, daß sich die Norm auch bisher nicht genormten Baustoffen und Bauweisen geöffnet hat. Hier ist ein erster Schritt in die richtige Richtung getan, weitere Schritte bzw. Bauweisen werden folgen müssen. Denn nicht alle Bauweisen, die schon in der Diskussion waren, wurden berücksichtigt.
An dieser Stelle soll herausgestellt werden, daß mit der Neufassung der DIN 18195 die Anwendung von KMB nun auch im Rahmen der Bauwerksabdichtungsnorm möglich ist. Von der Fachwelt ist das Für und Wider im Vorfeld der Verabschiedung lange und intensiv diskutiert worden. Letztlich haben sich damit diejenigen durchgesetzt, die das Abdichten mit KMB als ein in der Praxis bewährtes Verfahren ansehen. Dabei ist auch der Fakt berücksichtigt, daß seit Jahren der überwiegende Anteil der Bauwerksabdichtung im Wohnungsbau, insbesondere im Einfamilienhausbau mit KMB ausgeführt wird.
Mit der Aufnahme von Bauweisen und Stoffen in eine Norm entsprechen diese nicht automatisch den allgemein anerkannten Regeln der Technik. Jeder einzelne Sachverhalt in der Norm muß sich also erst in der Praxis bewähren und zur allgemein anerkannten Regel der Technik werden. Das trifft auf die Anwendung der neuen DIN 18195 und selbstverständlich auch auf die Sachverhalte in der Norm zur KMB zu. An dieser Stelle sei auf zahlreiche Veröffentlichungen zu diesem Thema hingewiesen. Da die Diskussion um die allgemein anerkannten Regeln der Technik dem Planer und Verarbeiter, die im Augenblick Bauen und Abdichten müssen, aber nicht weiter hilft, soll an dieser Stelle darauf eingegangen werden, wie man mit der Bauweise "KMB" heute gewissenhaft umgehen kann.
Der Widerstand eines Teils von Sachverständigen gegen die Aufnahme der KMB in die Norm wird u.a. durch häufig mangelhafte Ausführung und damit entstandene Feuchteschäden begründet. Gefördert wird das durch den Umstand, daß die Bauwerksabdichtung in dem Fall mit einem handwerklich vermeintlich leicht zu verarbeitenden Material ausgeführt wird. Und weil es eben so leicht zu verarbeiten ist, führt das dazu, daß all zu oft unqualifizierte Firmen oder Mitarbeiter eingesetzt werden. In einem Artikel vom 9.02.2002 beklagt Axel Rahn von der Baukammer Berlin als Ursache des "enorm gestiegenen" Pfusch am Bau die geringe Beschäftigung an Baufacharbeitern und den Einsatz zuviel "ungelernter Kräfte". Leider wird viel zu häufig solchen Hilfskräften auch der für Bauschäden hochsensibel Bereich der Bauwerksabdichtung überlassen. Statt abzudichten wird einfach nur "Schwarz gemacht" und am besten mit KMB. Weil es eben "so leicht zu verarbeiten ist" und dadurch Kosten spart. Diese Kosten werden allerdings nur bis zum Eintreten des Schadens gespart! Hier fehlt es den Verantwortlichen immer noch an Bewußtsein, daß für den Erfolg von Abdichtungsarbeiten detailliertes Fachwissen und ausgebildetes Können notwendig sind. Denn neben der "leichten" Verarbeitung der KMB müssen wichtige Randbedingungen beachtet werden, um das Bauteil dauerhaft vor eindringender Feuchtigkeit zu schützen. Eine ganze Reihe von Randbedingungen sind aber selbst vielen sogenannten Fachleuten bzw. Abdichtern beim Umgang mit KMB nicht geläufig oder noch nicht in ausreichendem Maße bekannt.
Abdichtungsarbeiten werden nicht selten Firmen überlassen, die darauf nicht spezialisiert sind und diese Arbeiten nebenbei "mit machen". In dem Fall fehlt das Verständnis für die Abdichtungstechnik im Allgemeinen und für die Anwendung der KMB im Besonderen. Daher ist es um so wichtiger, daß für die Bauwerksabdichtung mit KMB Fachfirmen mit entsprechend qualifiziertem Personal gebunden werden. Doch welche Firmen sind Fachfirmen?
Ist beispielsweise eine Ausführung mit bituminösen Bahnen vorgesehen, wird hier viel selbstverständlicher der Fachbetrieb beauftragt, da die Einsicht vorhanden ist, daß erforderliche Klebe- und Fügetechnik höhere Anforderungen hinsichtlich der Verarbeitung stellt und man diese Arbeit keinen Hilfskräften überlassen kann. Das sind dann i.d.R. Dachdecker. Abgesehen von Dachdeckerbetrieben, die sich auch auf dem Gebiet der Abdichtung erdberührter Bauteile spezialisiert haben, ist es bekannt, daß der "Dachdecker" sich mit der KMB nicht begeistert anfreundet. Es liegt in der Natur der Sache selbst. Schließlich ist er der Fachmann auf dem Dach und nicht in der Baugrube.
Ganz im Gegensatz zum sogenannten "Bautenschützer". Betriebe des Bautenschutzgewerbes haben sich schon frühzeitig auf neue, nicht genormte Verfahren und Bauweisen eingelassen. Das war und ist eine Notwendigkeit, weil das vorrangige Gebiet des Bautenschutzes das Bauen im Bestand ist. Hier helfen normgerechten Lösungen häufig nicht weiter. Weil sich Abdichtungen mit KMB bei der Bauwerkssanierung bewährt haben, können viele Bautenschutzbetriebe auch auf eine langjähriger Praxis mit KMB zurückblicken. Hinter dem Gewerbe des Bautenschützers steht jedoch kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, was es vielen Quereinsteigern, die "nicht vom Fach sind" leicht macht, durch unsachgemäße Anwendung und schlechte Qualität der Branche zu schaden.
Den Beruf "Bauwerksabdichter/in" gibt es als industriellen Ausbildungsberuf erst mit Inkrafttreten der Verordnung vom 24. April 1997. Die 3 Lehrjahre dauernde Berufsausbildung ist noch weitgehend unbekannt. Nach Recherche des Autors in den IHK-Bezirken Berlin, Cottbus, Frankfurt/ Oder und Potsdam gibt es beispielsweise lediglich drei Ausbildungsbetriebe. Die bundesweite Situation gestaltet sich positiver und wird durch die folgende Statistik deutlich.
| Bundesgebiet, Berichtsjahr: 2001 | Ausbildungsverträge | Neu abgeschl.
Ausbildungsverträge |
Prüfungsteilnehmer | |||
| 2000 | 2001 | |||||
| Beruf: | gesamt | gesamt | darunter weiblich |
insgesamt | darunter bestanden |
|
| Industriell-technische Ausbildungsberufe | .. | .. | .. | .. | .. | .. |
| Bau, Steine, Erden | .. | .. | .. | .. | .. | .. |
| Bauwerksabdichter (-in) | 180 | 144 | 0 | 43 | 71 | 52 |
Tabelle: (Quelle: www.ihk.de)
Es ist nur zu wünschen, daß sich der "Bauwerksabdichter" als Berufsstand weiter erfolgreich etabliert und sich auch des Feldes der Abdichtung von Neubauten mit KMB annimmt. Die Frage, wer denn nun vom Beruf her eine qualifizierte Bauwerksabdichtung mit KMB herstellen kann, ist also zum jetzigen Zeitpunkt nicht eindeutig zu beantworten. Eine einheitliche gute Qualifikation für KMB-Abdichtungen kann man vom keinem der 3 genannten Berufe bzw. Gewerbe ableiten.
Daraus begründete sich auch eine Forderung im Entwurf der Neufassung der DIN 18195 vom September 1998. In DIN 18195-3, Abschnitt 5.3 heißt es: "Bei Abdichtungen nach DIN 18195-6 muß der Ausführende besonders qualifiziert sein." Diese Forderung ist in der Fassung vom August 2000 gestrichen worden. Die DIN 18195 ist formal eine technische Norm. Somit wird sie nicht gemacht, um ein handwerkliches Ausübungsrecht zu begründen, sondern um technische Details fest zu schreiben.
Immerhin sind sich die in der Branche wichtigsten Berufs- und Interessenverbände einig gewesen, daß man ohne eine Qualifizierungsmöglichkeit nicht auskommen wird. Unter der Federführung des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB) ist deshalb der Lehrgang "Herstellen von Abdichtungen aus kunststoffmodifizierten Bitumendickbeschichtungen (KMB)" entstanden.
Der 3-tägiger Lehrgang geht auf alle Bereiche, die bei der Anwendung der KMB für die Bauwerksabdichtung im erdberührten Bereich notwendig sind, ein. Die wichtigsten seien hier genannt:
Nach einer bestandenen Abschlußprüfung erhält der Teilnehmer ein bundeseinheitliches Zertifikat (KMB-Schein). Damit wird ihm bescheinigt, daß er sich während des Lehrganges wichtige theoretische Kenntnisse angeeignet hat. Zu denen zählen vorrangig die Ausführungen nach DIN 18195. Auf andere Regelwerke, die die KMB betreffen, wird er hingewiesen. Die Theorie wird durch die praktische Anwendung untermauert, bei der der Teilnehmer ein Gefühl für das Material KMB entwickeln kann. Zwar ist das Konzept des Lehrganges vorrangig für den Verarbeiter entwickelt worden, aber aus den oben genannten Gründen ist der Lehrgang auch für Planer und Sachverständige, die solche Abdichtungen zu beurteilen haben, zu empfehlen.
Außerdem liegt die Ursache für Bauschäden im Neubau durch Feuchtigkeit auch darin begründet, daß der Planung von Abdichtungen zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird. Hier sei nur an unzureichende Leistungsverzeichnisse erinnert, die, alle Lastfälle außer Acht lassend, nicht mehr vorgeben als "1 Stück Bauwerksabdichtung". Gemessen an den Gesamtkosten übersteigen die Kosten für die Bauwerksabdichtung meistens nicht die 5 % Grenze. Wie allgemein bekannt, betragen jedoch die Kosten für die Beseitigung von Feuchtigkeitsschäden die Baukosten um ein Vielfaches. Um also Sanierungskosten zu sparen, sind Verarbeiter und Planer zur besseren Zusammenarbeit gezwungen. Dabei muß jeder von dem anderen wissen, was er im Hinblick auf eine funktionstüchtige Abdichtung mit KMB verlangen kann. Also sind für die Planung und für die Ausführung Fachkenntnisse notwendig, die es ermöglichen, den jeweiligen Vertragspartner zu kontrollieren. Letztlich wird dadurch die Qualität der Abdichtung entscheidend bestimmt. Der Einfluß des verwendeten Materials auf die Qualität darf jedoch nicht vergessen werden. Die KMB unterliegen keiner Stoffnorm! Solange es noch keine derartige Norm für KMB gibt, ist auf die unterschiedlichen Eigenschaften der Produkte verschiedener Hersteller zu achten.
Zusammenfassung
Mit der Aufnahme der KMB in die DIN 18195 stellt sich die Frage, wer eine fachgerechte Abdichtung mit diesen Materialien ausführt. Eine zwingende Qualifikation für den Verarbeiter kann die Norm nicht vorschreiben. Führende Berufsverbände der Branche unter Federführung des ZDB waren sich jedoch einig, daß eine Qualifikationsmöglichkeit geschaffen werden muß.
Der KMB-Lehrgang ist eine wichtige Grundlage für eine fachgerechte Bauwerksabdichtung mit KMB und sollte als Qualitätszeichen von den Verarbeiter angesehen werden. Es ist zu wünschen, daß sich bei der Vergabe von Abdichtungsarbeiten mit KMB der KMB-Schein als eine Mindestanforderung an den Verarbeiter durchsetzt. Der Lehrgang ist ein wichtiger Beitrag, mangelndem Bewußtsein für die Bauwerksabdichtung entgegenzuwirken.
Literatur
| [1] | DIN 18195 Bauwerksabdichtung, August 2000 |
| [2] | Artikel Berliner Zeitung vom 9.02.2002 |
| [3] | Verordnung über die Berufsbildung Bauwerksabdichter/ -in vom 24. April 1997, W. Bertelsmann Verlag |
| [4] | Handbuch zum Qualifikationslehrgang "Herstellen von kunststoffmodifizierten Bitumendickbeschichtungen (KMB) auf der Basis DIN 18195 Bauwerksabdichtungen", 1. Ausgabe November 2001 |
| Dieser Artikel ist Teil des Internetangebots www.bausachreuthe.de des Bausachverständigen ... | |
| Dipl.-Ing. Thomas Reuthe | |
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